Michschlingsrüde Pecorino ist ein Hund von Welt: In zahlreichen Ländern sind seine Fotogeschichten erschienen. Fotograf Toni Anzenberger erzählt mit Autorin Yvonne Lacina-Blaha in seinem Bildband des kürzlich verstorbenen Hundes die gemeinsame Geschichte. Es ist das berührendste Buch mit Pecorino und seinen besten Fotos, ein Großteil davon bislang unveröffentlicht. Die letzte bunte Weltreise des Pecorino – das Lebewohl-Buch.
Es war im März 1998 auf einem Bauernhof nahe der italienischen Stadt Verona. Man kümmerte sich am Hof mehr um die Arbeit als um streunende Hunde, davon gab es einfach zu viele. So kam es vor, dass junge Hunde gleich nach ihrer Geburt getötet wurden. Eine Hündin jedoch konnte ihre fünf Welpen erfolgreich in einem Erdloch verstecken. Sie waren schließlich schon zu groß, um getötet zu werden. Als die Bauern sie fanden, suchten sie immerhin neue Besitzer für die Welpen. Denn hier am Hof konnten sie nicht bleiben, drei Vierbeiner hüteten bereits den Hof, einer davon war die Mutter der Welpen. Doch wohin mit den Kleinen? Toni Anzenberger, der immer wieder auf dem Hof wohnte, wenn er für Fotoreisen unterwegs war, unterstürzte die Bauern bei der Vermittlung. Es lief erstaunlich gut mit der Vergabe. In wenigen Wochen fanden vier Geschwister ein Zuhause. Nur der Welpe mit den schwarzen Ohren blieb zurück.
Der kleine Vierbeiner sah aus wie ein kleines Schäfchen, also nannte er ihn Pecorino
Der Sommer zog ins Land, die Monate vergingen und niemand interessierte sich für den Kleinen. Wenn Toni am Hof war, spielte er viel mit dem kleinen weiß gepunkteten Hund. Weil er so viel reiste kam für ihn nie ein eigener Vierbeiner in Frage, obwohl er Hunde liebte. Der Welpe folgte dem großen Mann auf Schritt und Tritt. Der Fotograf nahm sich nach vier Monaten ein Herz und vereinbarte mit dem Bauern, dass er den Hund zu sich nimmt, allerdings mit der Bitte, dass er den Vierbeiner in ihre Obhut geben kann, wenn er auf Reisen ist. Mit diesem Versprechen traf er die Entscheidung endgültig. Er hatte einen Hund. Der Hund ein offizielles Herrchen. Er brauchte nicht lange, um einen Namen zu finden: Der kleine Vierbeiner sah aus wie ein kleines Schäfchen, also nannte er ihn Pecorino.

Toni hatte Angst, dass das auch seinem Hund passieren könnte
Im August, wenige Wochen vor der ersten geplanten Reise, als der Fotograf seinen Hund wie ausgemacht am Hof lassen wollte, wurde Pecorinos Mutter vergiftet. Sie wurde mit sechs toten Hühnern bei einer Wasserstelle gefunden. Man hörte schon ein paar Tage Gerüchte, dass jemand Hunde in der Gegend köderte. Auch Pecorinos Vater Filippo verschwand wenige Tage davor vom Nachbarhof. Toni hatte Angst, dass das auch seinem Hund passieren könnte. Er entschloss sich, den Vierbeiner mitzunehmen und nicht am Hof zu lassen. Auch nicht für wenige Tage.
Der Beginn einer ungeplanten Hundekarriere
Im September musste der Fotograf wieder auf Reisen, er hatte den Auftrag einige der schönsten Landstriche in der Toskana zu fotografieren. Also was tun mit dem Vierbeiner, fragte sich der neue Hundehalter. Er beschloss, es einfach zu versuchen: Er nahm den Kleinen mit. Eigentlich lief es ganz gut. Während das Herrchen arbeitete, schnüffelte sich der Hund durch Duftmarken oder grub Löcher. Und irgendwann passierte es, Pecorino lief ins Bild. Einfach so. Toni war noch versucht, ihn aus dem Bild zu scheuchen, aber dann merkte er, wie sehr der Hund das Motiv belebte. Das war der Beginn einer ungeplanten Hundekarriere.
Mischlingsrüde Pecorino war mit Toni Anzenberger 14 Jahre auf Reisen
Fortan war Mischlingshund Pecorino immer dabei und reiste durch halb Europa. London, Paris, Lissabon, Wien, München und viele andere Städte haben sie in ihren gemeinsamen 14 Jahren bereist. Mehrere Bücher haben sie mit ihren Fotos gefüllt, doch die Geschichten dazu sind bisher nicht erzählt worden. Als Pecorino starb, blieben die gemeinsamen Geschichten, etliche unveröffentlichte Fotos lagen noch im Archiv.
Das Buch war eine Herzensangelegenheit

Also entschloss sich Toni Anzenberger, einen letzten Band zu machen – „Pecorino – die Reisen eines Promenadenmischlings.“ Das Buch nimmt den Leser auf elf Reisen mit und gewährt dabei auch Einblicke in die Arbeit des Fotografen: „Es war eine schöne Aufgabe, aber auch eine intensive Zeit, noch einmal all die wunderbaren Erlebnisse mit Pecorino bewusst ins Gedächtnis zu holen – das Buch war eine Herzensangelegenheit.“