Die Hundebranche hat schon alles gesehen – könnte man meinen, wenn man die überfüllten Regale im Fachhandel sieht. Die Ideen sind ausgeschöpft, der Markt quillt über. Doch dass im Bereich Hundezubehör immer noch ein unentdecktes Potenzial schlummert, beweist das junge Unternehmen. BUDDY. steht für nachhaltige, fair produzierte Betten. Und Büggel, wie der Kölner sagt.
Auch wenn „Büggel“ auf den ersten Blick wie ein Eigenname klingt und an die IKEA-Nomenklatur erinnert, bedeutet es auf Kölsch nichts anderes als „Beutel“ oder „Tasche“. BUDDY. kommt nämlich aus dem Rheinland und wurde auf der halben Strecke zwischen Köln und Bonn geboren: in Brühl. Und alles begann eben mit dem sogenannten „Büggel“, einer gewieften Kombination aus Turnbeutel, Hundedecke und Handtuch. Es ist ein Aushängeschild der Marke und ein Produkt, das es auf dem Markt in der Form bisher nicht gibt. Das Gründer-Duo Katrin Mager und Manuel Mohlberg, seit langem befreundet, hatte unterschiedliche Beweggründe, aber ein gemeinsames Ziel: ein Hundezubehör mit Mehrwert zu kreieren.
Büggel: Liegeplatz to go
„Manu war wichtig, dass das Design stimmt, er wollte keine Herzchen, Pfoten oder Knochen als Muster. Clean und zeitlos sollte es sein. Und hochwertig verarbeitet“, erzählt Katrin. „Ich wiederum brauchte für meinen Hund den gleichen Liegeplatz, egal wo ich bin. Mein Hund ist nämlich ein „Monk“, lacht die 31-Jährige. „Wenn er mit mir auf Reisen ist, seinen Liegeplatz aber nicht dabei hat, habe ich ein Problem. Also musste etwas Praktisches her, das ich ohne viel Schlepperei mitnehmen, was aber auch zu Hause als regulärer Liegeplatz fungieren kann.“ So entstand der Büggel: Die Stoffhülle mit einem schwarzen BUDDY.-Logo sieht wie ein trendiger Turnbeutel aus. Ausgepackt, kommt ein Kissenbezug zum Vorschein, dessen Oberseite aus einem robusten Stoff und die Unterseite aus einem saugfähigen Handtuch besteht.
Mein Hund ist nämlich ein „Monk“
Hat sich der Hund ein Schlammbad gegönnt oder ist er im Regen einfach nur nass geworden, hält der Büggel als Trocknungshilfe her. Braucht man nur eine dünne Schlafdecke, wird der Kissenbezug einfach auf dem Boden ausgestreckt. Hat man einen „Monk“ zu Hause, nimmt man das kuschelige Innenpolster dazu. Dieses, gefüllt mit Schaumstoffflocken, ist zusammen mit dem Büggel erhältlich. Oder aber als Extra-Zubehör.
Behindertenwerkstätten: Keine Fließbandarbeit
Gemeinsam für alle BUDDY-Produkte – außer den Büggeln gibt es noch flauschige Kissen und feste Betten – ist der soziale Anspruch Das gesamte Sortiment entsteht in einer Behindertenwerkstatt in der Region. „Uns war es wichtig, Menschen in den Prozess zu integrieren, die genauso was drauf haben, aber durch ihre Handicaps nicht die gleichen Chancen bekommen“, erklärt Katrin. „Wir wollten es auch regional halten, um möglichst nah an den Menschen zu sein, die für uns nähen. Von der Zusammenarbeit sind wir auch total begeistert. Es herrscht dort keine Hierarchie, alles läuft auf der menschlichen Ebene ab.“
Die fehlende Hierarchie mag in der rechtlichen Beschaffenheit der Behindertenwerkstätten liegen. Diese Beschäftigung ist nämlich keine Tätigkeit im arbeitsrechtlichen Sinne: Die Menschen in einer solchen Werkstatt haben lediglich einen arbeitnehmerähnlichen Rechtsstatus und keine regulären Arbeitsverträge. Auf die möglichen Engpässe wegen der oft stark geminderten Leistungsfähigkeit der Werkstattarbeiter angesprochen, antwortet Katrin unbekümmert: „Eine Fließbandarbeit ist dort in der Tat nicht möglich, bisher hatten wir aber noch keine Engpässe. Außerdem ist das auch nicht der einzige Betrieb dieser Art in Deutschland.“
Sollte sich BUDDY. vor Aufträgen nicht retten können, gibt es in der Tat eine ganze Reihe von Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Derzeit werden bundesweit rund 760 Werkstätten mit unterschiedlichen Schwerpunkten unterhalten: Textilien, Holz oder Keramik.
BUDDY. Stoffe: Schlicht und schadstofffrei
Das jetzige Sortiment von BUDDY. umfasst drei unterschiedliche Hunde-Schlafplätze in vier Farben. Der robuste Stoff, der bei den Kissen, Betten und Büggeln verarbeitet wird, stammt aus Europa und ist ÖKO-Tex® Standard 100 zertifiziert. „Wir waren sehr lange auf der Suche nach Stoffen mit cleanem, zeitlosem Design, die gleichzeitig robust und leicht zu reinigen sind“, erzählt Katrin.
Das Ergebnis der Suche sind glatte, fest gewebte, polsterähnliche Bezüge ganz ohne Pfötchen- oder Knochen-Drucke. Das Nähgarn wird in Deutschland aus PET-Flaschen produziert. „Wir sind keine Öko-Gurus, das schreiben wir uns auch nicht auf die Fahne“, erklärt Katrin. „Wir tun aber alles, um nachhaltig und bezahlbar zu sein.“
BUDDY. spricht gelb
Bei der Gründung von BUDDY. war der berufliche Hintergrund von Katrin und Manuel sicherlich eine große Erleichterung. Sie als Marketing-Managerin und er als Designer haben wichtige Kompetenzen gebündelt. Das spiegelt sich im starken Produktfokus und in der Unternehmenssprache wieder. Als Erkennungszeichen des Labels gelten der gelbe Reißverschluss und das gelbe Nähgarn, die auf jedem Hundeschlafplatz zu finden sind. Eine kleine Nebensächlichkeit, die für ein starkes Markenbild sorgt. „Gelb steht für die Sonne und Naturverbundenheit“, erklärt Katrin die Farbwahl.
Für zusätzlichen Wind in den Segeln der Rheinländer sorgte die erfolgreich absolvierte Crowdfunding-Kampagne auf der Startnext-Plattform mit der Finanzspritze von 5.000 EUR. „Das erfolgreich abgeschlossene Projekt war für uns eine Bestätigung und Bestärkung“, sagt Katrin. „Wir waren einfach nur begeistert.“
Selbst, wenn BUDDY. zurzeit nur nebenberuflich aufgebaut wird, hat die Marke das Potenzial, eine richtige Größe in der Branche zu werden. Im Mittelpreis-Segment angesiedelt, erreichen die Produkte nicht nur umweltbewusste Hundehalter, sondern auch viele Kunden darüber hinaus. Solche, die auf minimalistisches Design stehen und nicht auf infantile Muster. Und was, wenn der Erfolg den Beiden in den Kopf steigt? „Dagegen praktizieren wir Yoga und Meditation“ – kontert Katrin. Wenn das keinen Sympathie-Bonus bringt…