Nicht jeder mag Hunde. Bisweilen schlägt Abneigung in Hass um. Dann werden Köder ausgelegt, präpariert mit Gift, Rasierklingen und Stecknadeln.
Darmstadt – Solche Meldungen gibt es immer wieder: „Giftköder ausgelegt“. Erst kürzlich hat die Stadt Offenbach vor länglichen Brötchen gewarnt, gespickt mit Tabletten und Stecknadeln. Ein ähnlicher Fall wurde unlängst im mittelhessischen Linden vermutet: Eine Spaziergängerin konnte ihrem Hund das mit blauen Kugeln versehene Fressen gerade noch wegnehmen. „Ich denke, dass es zwei Gründe gibt, warum so etwas getan wird“, sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen, Madeleine Martin, über derartige Fälle: „Das sind Menschen, die Hunde nicht mögen. Und es ist Freude an Zerstörung.“
Für Daniela Müller von der Geschäftsstelle des Landestierschutzverbandes Hessen sind es „Hundehasser„, die so etwas tun. Als Begründung für diese Haltung könne „die ganze Palette der Emotionen“ herangezogen werden – auch „Katzenfreunde, die sich über Hunde ärgern“. Andere Tierschützer berichten, auch Hundehaufen könnten Auslöser für Giftköder sein.
Zuverlässige Zahlen über derartige Fälle gebe es nicht. „Es gibt keine Pflicht, so etwas zu melden“, sagte Martin. Tierschützer vermuten, dass die Halter der Tiere das auch eher nicht tun.
Die Dunkelziffer für Lebensgefährliche Giftköder ist hoch
Sascha Schoppengerd beobachtet mit der Giftköder Radar GmbH im österreichischen Tirol die Länder Deutschland, Schweiz und Österreich. Als eine Orientierung könne gesagt werden, dass es in allen Ländern zusammen bisher in diesem Jahr über 80 getötete und über 100 schwer verletzte Hunde gegeben habe, die allermeisten Fälle aus Deutschland, weil es dort auch die meisten Informationen wie etwa Zeitungsberichte vorhanden seien. Schoppengerd ging davon aus, dass „etwas vorsätzlich passiert ist“. Allerdings sei „die Dunkelziffer hoch“.
Bis in die Kriminalstatistik dürften die allermeisten Fälle nicht kommen. In Hessen wird so etwas auch erst seit wenigen Jahren registriert. Im ersten Jahr der Erfassung 2013 gab es nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Hessen einen Fall mit Giftködern, 2014 keinen, 2015 wieder einen und dann 2016 zwei Fälle.
Laut Tierrechtsorganisation PETA gibt es den Trend, dass mehr als früher Giftköder über Gartenzäune geworfen werden, also auf private Grundstücke. Sie wurden nicht mehr nur in öffentlichen Parks oder im Wald ausgelegt. „Das geht also dann direkt gegen einen ganz bestimmten Hund“, meinte Schoppengerd.
Lebensgefährliche Giftköder auslegen ist Tierquälerei
Das mutwillige Auslegen von Giftködern, mit dem einzigen Zweck, Hunde oder Katzen damit zu töten, ist Tierquälerei, wie der Deutsche Tierschutzbund mitteilte. Zudem bestehe auch die Gefahr, dass nicht nur Tiere qualvoll verenden, sondern auch Menschen erheblich gefährdet werden könnten, beispielsweise spielende Kinder, die mit den Giftködern in Berührung kommen.
PETA rät, dass Hunde grundsätzlich darauf trainiert werden sollen, bei Spaziergängen nichts Fremdes zu fressen. Beim geringsten Verdacht, dass ein Tier einen Köder zu sich zugenommen hat, sollte sofort zum Tierarzt gegangen werden. Wer seinem Hund erst selbst helfen wolle, verliere damit nur Zeit. Im neuen Fall in Offenbach rät die Stadt außerdem: Maulkorb anlegen.